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Willkommens-Eruption

Kurzer Lagecheck
Kurzer Lagecheck
Seismografische Live-Daten des Krakatau
Seismografische Live-Daten des Krakatau

Nun ist es endlich soweit!

Wir sind in Jakarta angekommen und machen uns auf den Weg zum legendären Krakatau! Dieser Weg wird jedoch ein weiter sein (3 Stunden mit Auto und 2 Stunden mit Boot). Mit dem Auto fahren wir zunächst durch die Provinz nach Cikoneng im Bezirk Anyer. Hier erwartet uns ein kleiner Geschichtsunterricht am Cikoeng bzw. Anyer Leuchtturm (links).  Der ursprüngliche Leuchtturm wurde am 27. August 1883 durch einen Tsunami zerstört. Auslöser des Tsunamis war eine gewaltige Explosion des Krakataus. Unweit des Leuchtturms liegt ein riesiger Brocken aus Korallen, welcher vom Tsunami vom Meeresboden gelöst und an Land geworfen wurde. 

Danach schauten wir uns Live-Daten zur Krakatau-Aktivität am Seismograf in Pasauran an (oben). Den Raum mit dem Seismograf darf man nur ohne Schuhe betreten und man muss sich fortbewegen wie eine Katze, da man ansonsten  die Daten verfälschen würde.

Des Weiteren lernten wir, dass die Explosion 1883 eine Kaldera geschaffen hatte. Eine Kaldera (Kessel) bleibt von einem Vulkan übrig, wenn nach einer großen Eruption die Magmakammer einstürzt. Im Falle des Krakatau ist es so, dass drei Inseln und in deren Mitte eine Kraterinsel übrig geblieben sind. Die Kraterinsel heißt Anak-Krakatau (Kind des Krakatau). Die drei Inseln drum herum tragen die Namen Serung (Verlaten Island),  Panjang (Lang Island, Krakatau Kecil) und Rakata (Krakatoa). Letztere sollte uns als Herberge dienen.

Nachdem uns nun die gewaltigen Kräfte dieses Urmonsters von Vulkan bewusst wurden, wollten wir umso mehr an dessen Fuß stehen. Also auf zum Hafen in Carita und alle Mann an Bord! Alle Mann waren in unserem Fall Martin, Andi, der Bootsführer, ein Koch, ein weiterer  Helfer und ich.  Ganze zwei Stunden kämpfte sich unsere Nussschale durch die Wellen, vorbei an vereinzelten traditionellen Fischerboten. Ich litt immer noch an allgemeiner Übelkeit und fühlte mich generell sehr schlapp. Das Auf und Ab half nicht gerade dabei zu genesen. Die bunten Wunderpillen die mir Andi in Jakarta besorge jedoch schon.

 


Bevor wir auf Rakata landeten, fuhren wir noch einmal direkt bis an den Vulkan heran und hofften auf unsere erste Ascheeruption. Nach ca. einer viertel Stunde des Wartens, endschieden wir uns einstimmig zur Nachbarinsel zu fahren und das Camp aufzubauen. Kaum hatten wir den weichen schwarzen Sand zwischen unseren Zehen gespürt, brüllte jemand "ERUPTION"! Hätte uns nicht jemand darauf hingewiesen, hätten wir es gar nicht bemerkt, denn die Asche-Eruptionen des Krakataus waren in diesen Tagen vollkommen geräuschlos. Dieses Phänomen nennt man pyroklastische Surge (engl. surge = Welle, Woge).

Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr erinnern, ob ich zuerst fotografierte oder ein Video machte. Solche Eruptionen sollten in den kommenden Tagen noch häufiger passieren, aber längst nicht so häufig wir nur wenige Tage vor unserer Ankunft. Die Aktivität des Krakatau nahm extrem ab. Von hunderten Eruptionen zu ca. sechs am Tag. Für mich als Vulkan-Novize war das immer noch viel und ich kam aus dem Staunen nicht heraus.

Unbekannte Baumschlage
Unbekannte Baumschlage

Nachdem der Adrenalinrausch langsam abebbte war es Zeit das Camp zu errichten. Jedoch hinderte uns schon auf den ersten Metern ein sehr fotogener tierischer Einwohner daran heimisch zu werden. Ein kleine, angeblich kaum giftige, Baumschlage mit prächtigen paradiesischen Farben schlängelte sich durch einen Mangrovenstrauch. Wir hatten nur kurz Zeit sie zu portraitieren, da sie unsere Anwesenheit nicht so sehr schätzte wie wir die ihre. Zielgerichtet verschwand sie im Wurzelwerk.

Unsere Entourage war bereits fleißig mit dem Aufstellen der Zelte und dem vorbereiten der ersten Mahlzeit beschäftig. Wir wurden mal wieder von vorn bis hinten verwöhnt. Es fehlte uns an nichts. In unser, mit einem Tarp überdachten Feldküche, hatten wir Kühlboxen gefüllt mit verschiedensten Softdrinks, Säften, Bier und Essen. Jeder hatte sein eigenes Zelt und eine Hängematte. Vorsorglich hatte ich vor der Reise ein Solarladegerät für meine Kamera-Akkus gekauft. Da wir aber sogar einen eigenen Stromgenerator auf die Insel brachten, nahm dieser nur noch eine unterstützende Rolle ein.

Als sich der Tag langsam dem Ende neigte bezogen Martin und ich unsere Plätze am Strand, wo wir uns tagsüber bereits vorsorglich eine schöne Komposition suchten. Wir haben uns beide für Treibholz für den Vordergrund (an unterschiedlichen Stellen) endschieden.

Damals hatte ich noch kein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv und nur eine Crop-Kamera zur Hand. Trotzdem versuchte ich das beste aus der Situation machen... und versagte bei der ersten nächtliche Eruption. Mir ist ein dummer Fehler unterlaufen. Ich hatte vor eine Komposition aus zwei Bildern zu kreieren. Das erste Bild habe ich vom Vordergrund, also dem Treibholz, geschossen, als noch genügend Licht vorhanden war. Das zweite Bild entstand mit Hilfe eines Zeitraffers . Es sollte eine Eruption einfangen, was es auch tat. Nur leider habe ich den Fokus nicht auf den Vulkan gerichtet, sondern ihn noch auf dem Vordergrund gehabt. So sehr habe ich mich wahrscheinlich noch nie über mich selbst aufgeregt. Zum Glück gab es noch mehr Eruptionen, auf die ich dann vorbereitet war. Diese erste jedoch war einfach nur atemberaubend. Wenn man solch eine Naturgewalt zuvor noch nie erlebt hatte, bleibt einem tatsächlich nur der Mund offen stehen. Da saß ich nun in meinem Campingstuhl, mit einen kalten Bier am Strand und strahlte über beide Ohren (bis ich den Fehler mit dem Fokus bemerkte).

Mit fortschreitender Nacht kamen Fischerbote immer näher an den Vulkan heran. Sie waren auf Tintenfische aus. Zum Tintenfischfang braucht man Licht, viel Licht. Die Fischer leuchteten uns fast die ganze Nacht über in die Komposition. Wir waren mega frustriert, aber was sollten wir machen? Sie haben genauso das Recht, wenn nicht sogar noch mehr als wir, hier zu sein. Wir überlegten schon den Fischern anzubieten sie fürs wegfahren zu bezahlen, haben uns dann aber doch dagegen entschieden.

Irgendwann übermannte mich die Müdigkeit. Ich lies den Zeitraffer laufen und schleppte mich ins Bett. Wann genau Martin sich dazu entschied, ist ungewiss. Und so endete unser erster Tag am legendären Krakatau!

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